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Seit August 2026 trägt jeder Text von Claude ein unsichtbares Wasserzeichen.

Anthropic markiert erzeugten Text seit dem 2. August 2026 maschinenlesbar: unsichtbar beim Lesen, robust gegen Kopieren und ohne jede Angabe zur Person. Das Wasserzeichen sagt, dass ein Modell beteiligt war und nicht, wer den Text geschrieben hat. Wir zeigen, wie es funktioniert, was es über deine Firma nicht verrät und welche drei Stellen im Betrieb einen Blick wert sind.

Am 2. August 2026 hat Anthropic angekündigt, dass alle ab diesem Datum veröffentlichten Claude Produkte erzeugten Text maschinenlesbar markieren. Für die älteren Modelle soll dasselbe bis zum 2. Dezember 2026 gelten. Seither hören wir zwei Reaktionen. Die eine ist Erleichterung, weil sich endlich nachweisen lasse, wer mit KI gearbeitet hat. Die andere ist Unbehagen, weil jeder Text nun zurückverfolgbar sei. Beide gehen von etwas aus, das dieses Wasserzeichen nicht leistet. Wir schreiben auf, was es markiert, was es nicht markiert und was das für eine Firma bedeutet, die KI in Texten für Kunden einsetzt.

Das Wasserzeichen steckt in der Wortwahl und nicht in einem angehängten Zeichen.

Anthropic setzt auf den Ansatz von SynthID Text. Ein Sprachmodell wählt jedes Wort aus einer Reihe von Kandidaten, die alle passen würden. Das Verfahren verschiebt diese Wahl nach einem Muster, das nur mit dem passenden Schlüssel wieder sichtbar wird. An einer einzelnen Stelle sieht das nach nichts aus, über einen ganzen Absatz ergibt es ein statistisches Signal.

Zwei Folgen davon zählen im Alltag. Erstens ist beim Lesen nichts zu sehen: keine Fussnote, kein Hinweis, keine unsichtbaren Sonderzeichen, die beim Einfügen in ein Formular Ärger machen. Zweitens überlebt das Muster Kopieren und Einfügen, weil es im Text selber liegt und nicht in den Metadaten einer Datei. Wer den Text aus dem Chat in ein Mail zieht, nimmt es mit.

Robust ist nicht dasselbe wie unzerstörbar. Je mehr ein Mensch umschreibt, desto schwächer wird das Signal und ein einzelner kurzer Satz trägt zu wenig davon, um beurteilt zu werden. Eine Schnittstelle zur Erkennung ist angekündigt und heute noch nicht verfügbar. Wer jetzt plant, plant also mit einem Merkmal, das existiert, das aber vorläufig niemand ausserhalb des Anbieters auslesen kann.

Das Wasserzeichen sagt, dass ein Modell beteiligt war und sonst nichts.

Hier liegt das Missverständnis, das am meisten Unruhe stiftet. Markiert wird der Text, nicht der Mensch davor. Das Muster enthält keine Angabe zur Person, keine zur Firma und keine zum Gespräch, aus dem der Text stammt. Es lässt sich daraus nicht ablesen, wer den Auftrag gegeben hat, wann das war oder was sonst noch im selben Chat stand.

Aus Sicht des Datenschutzes ist das die entscheidende Eigenschaft. Ein Wasserzeichen, das eine Kundennummer oder eine Kontokennung mitführen würde, wäre ein Personendatum, das mit jedem Text das Haus verlässt. Dieses hier ist keines. An der Beurteilung der eigenen KI Nutzung nach revDSG ändert sich damit nichts und die Fragen, die wirklich zählen, bleiben dieselben: welche Daten in ein Modell hineingehen und wo sie verarbeitet werden. Wir haben sie in revDSG und KI aufgeschrieben.

Umgekehrt taugt das Wasserzeichen auch nicht als Beweismittel gegen Mitarbeitende. Es beantwortet, ob ein Modell an einem Text beteiligt war und nicht, ob jemand seine Arbeit gemacht hat. Wer damit kontrolliert, misst das Falsche. Was ein Betrieb stattdessen schriftlich regeln sollte, steht in den KI Richtlinien für die Geschäftsleitung.

Der Auslöser ist Artikel 50 Absatz 2 der EU KI Verordnung.

Die Anbieter tun das nicht aus eigenem Antrieb. Artikel 50 Absatz 2 verlangt von denen, die KI Systeme anbieten, dass erzeugte Inhalte in einem maschinenlesbaren Format als erzeugt erkennbar sind. Die erste Stufe dieser Transparenzregeln gilt seit dem 2. August 2026 und auf genau dieses Datum fällt die Ankündigung. Das ist unsere Lesart und keine Rechtsberatung.

Wichtig ist die Arbeitsteilung dahinter. Die Pflicht des Anbieters ist mit der Markierung erfüllt. Die Pflicht dessen, der das System einsetzt, ist es nicht: Wer einen Chatbot betreibt, wer täuschend echte Aufnahmen veröffentlicht oder wer die Öffentlichkeit zu einer Frage von öffentlichem Interesse mit einem Text informiert, den niemand redaktionell verantwortet, schreibt den Hinweis weiterhin selber hin. Welche Fälle das genau sind und wann eine Schweizer Firma über den Marktort darunter fällt, steht in EU KI Kennzeichnungspflicht.

Für die gewöhnliche Büroarbeit ändert sich nichts, für drei Stellen lohnt sich eine Stunde.

Ein Mail, eine Offerte oder ein Protokoll, das jemand mit einem Assistenten entworfen, gelesen, korrigiert und mit seinem Namen verschickt hat, ist ein Text dieser Person. Das Wasserzeichen macht daraus keinen Text mit Erklärungsbedarf und begründet keine neue Pflicht.

Drei Stellen schauen wir mit Kunden trotzdem an und zusammen dauert das etwa eine Stunde. Die erste sind Texte, die ihr als eigene Leistung verkauft, also Redaktion, Übersetzung oder Inhalte für Kundenwebseiten. Steht in Vertrag oder Offerte etwas über den Einsatz von KI, muss das mit der Praxis übereinstimmen, denn nachprüfbar wird es. Die zweite sind Bewerbungen, Prüfungen und alles, wo Eigenleistung erwartet wird. Wer dort nach einer Erkennung entscheiden will, braucht vorher geschriebene Richtlinien, was erlaubt ist und ein Verfahren für den Fall, dass die Erkennung sich irrt. Die dritte ist der Kundendienst, der nach aussen antwortet, ohne dass ein Mensch mitliest. Dort gilt die Kennzeichnung ohnehin, ganz unabhängig vom Wasserzeichen.

Uns betrifft das unmittelbar, weil bei uay seit Anfang 2026 der grösste Teil der täglichen KI Arbeit über Claude läuft. Warum wir gewechselt haben, steht in Von ChatGPT zu Claude gewechselt. An unserer Arbeitsweise ändert die Markierung nichts: Was hier hinausgeht, verantwortet ein Mensch und das war schon vorher so.

Warum nicht einfach die KI fragen

  1. Frag sie

    Wenn dir eine KI erklärt, wie ein Wasserzeichen in erzeugtem Text funktioniert und was Artikel 50 der EU KI Verordnung verlangt, dann stimmt das und wir sind die Ersten, die das sagen.

  2. Was die KI nicht weiss

    An welchen Stellen in deinem Betrieb erzeugter Text nach aussen geht, was in euren Verträgen dazu steht und wer ihn am Ende verantwortet. Dafür gibt es uns.

Wenn bei dir Texte nach aussen gehen, die mit KI entstanden sind und niemand sagen kann, was dazu im Vertrag steht: Schreib uns, wo das bei euch passiert. Wir lesen, was du schickst und melden uns.