Claude Code kann fast alles und genau das ist das Problem.
Claude Code liest unsere Projekte, schreibt Code und führt Befehle aus. Die Frage ist deshalb längst nicht mehr, was das Werkzeug kann, sondern was wir es ohne Aufsicht tun lassen und woran wir diese Grenze festmachen.
Claude Code läuft bei uay in fast jedem Projekt. Es liest ein Repository, schreibt Code, führt Befehle aus, richtet Umgebungen ein und legt Änderungen zum Prüfen vor. Technisch gibt es in unserer Arbeit kaum etwas, das es nicht anfassen könnte, wenn wir es liessen. Genau dort fängt die Frage an, die zählt: nicht was das Werkzeug kann, sondern was wir es ohne Aufsicht tun lassen. Wir haben dafür eine Regel, die wir intern anwenden, bevor ein Agent etwas berührt, das im Ernstfall Geld oder Vertrauen kostet.
Allein arbeiten lassen wir Claude Code dort, wo ein Fehler nur Zeit kostet.
Es gibt eine ganze Klasse von Aufgaben, bei denen wir den Agenten laufen lassen und erst am Ende auf das Ergebnis schauen: Tests schreiben, ein Modul in einem eigenen Branch umbauen, Datenformate migrieren, Dokumentation nachziehen, den ersten Entwurf einer Funktion bauen. Das gemeinsame Merkmal ist nicht die Schwierigkeit, sondern der schlimmste Fall. Alles liegt in der Versionsverwaltung, alles wird vor dem Zusammenführen gelesen und das Zurücknehmen kostet einen Befehl. Wenn eine Stunde Arbeit im Papierkorb landet, ist das ärgerlich und sonst nichts.
Der Gewinn ist an dieser Stelle echt und er ist messbar. Was früher ein halber Tag war, ist heute eine halbe Stunde plus die Zeit zum Prüfen. Dafür bezahlen wir rund USD 100 pro Monat und Person, seit wir Anfang 2026 auf Claude gewechselt haben. Der Betrag ist gedeckt, sobald pro Woche eine gesparte Stunde zusammenkommt und das ist er in unserer Arbeit deutlich.
Ohne Aufsicht bleibt der Agent dort weg, wo ein einzelner Befehl mehr kostet als ein verworfener Branch.
Fünf Dinge macht bei uns kein Agent unbeaufsichtigt:
- Schreibende Zugriffe auf Produktivdaten, auch wenn es um einen einzelnen Datensatz geht.
- Ausrollen auf produktive Systeme.
- Löschen von Daten, Konten oder Infrastruktur.
- Mails, Nachrichten und Rechnungen an echte Empfänger.
- Umgang mit Zugangsdaten, Schlüsseln und Berechtigungen.
Dazu kommt ein sechster Punkt, der harmlos aussieht: das Installieren von Paketen. Ein Agent, der eine Abhängigkeit nachzieht, weil sie das Problem elegant löst, holt in derselben Bewegung fremden Code auf die Maschine, auf der die Zugänge zu allem liegen. Was daran hängt, steht im Beitrag zum Supply Chain Angriff auf axios im März 2026. Über neue Pakete entscheidet bei uns ein Mensch und zwar bevor sie installiert sind.
Diese Liste ist keine Grundsatzhaltung gegen Agenten, sondern eine Kostenrechnung. Ein Ausrollen, das schiefgeht, kostet uns einen Abend und den Kunden im schlechteren Fall einen Arbeitstag. Ein gelöschter Datensatz kostet den Weg über das Backup und ob dieser Weg funktioniert, wissen die wenigsten Unternehmen vor dem Ernstfall. Dagegen steht eine Ersparnis von zwei Minuten, weil niemand mehr selber bestätigen muss. Diese Rechnung geht nicht auf und deshalb steht sie bei uns nicht zur Diskussion.
Vor jedem Auftrag beantworten wir drei Fragen und erst danach steht fest, wie viel Leine der Agent bekommt.
Die Regel ist kurz, weil sie sonst niemand anwendet:
- Was kostet der schlimmste Fall, in Franken und in Tagen.
- Wer merkt es, wenn er eintritt und wie schnell.
- Wie lange dauert der Weg zurück.
Sind alle drei Antworten harmlos, läuft der Agent allein. Wird eine davon ernst, arbeitet er unter Aufsicht: Er darf vorschlagen, ausführen darf ein Mensch. Das ist dieselbe Prüfung, die wir einem Unternehmen für seine eigenen KI Antworten empfehlen, angewendet auf unser eigenes Handwerk.
Dazu kommt eine technische Vorsichtsmassnahme, die viel Diskussion erspart: Der Agent bekommt ein eigenes Konto mit den kleinsten Rechten, die für die Aufgabe reichen. Wo Lesen genügt, gibt es keinen Schreibzugriff und produktive Zugänge liegen gar nicht erst auf der Maschine, auf der er arbeitet. Ein Werkzeug, das alles darf, weil das Einrichten so schneller ging, ist kein Werkzeug mehr, sondern ein offenes Risiko.
Schneller schreiben heisst nicht schneller fertig, weil das Prüfen gleich lange dauert wie vorher.
Der Teil, über den in den Produktvideos wenig steht: Ein Agent verschiebt den Aufwand, er löscht ihn nicht. Vierhundert Zeilen Code zu lesen und zu verstehen dauert heute so lange wie vor fünf Jahren, unabhängig davon, wer sie geschrieben hat. Wer die Prüfung weglässt, ist bei Vibe Coding gelandet und dann taucht der Fehler nicht beim Schreiben auf, sondern Monate später bei jemandem, der das Ergebnis nicht lesen kann.
Praktisch heisst das, dass wir den Agenten in kleinen Schritten arbeiten lassen, damit jeder Schritt prüfbar bleibt. Eine Änderung, die vierzig Dateien anfasst, liest niemand ernsthaft durch, egal wie sauber sie aussieht. Fünf Änderungen mit je acht Dateien schon. Das kostet ein wenig Tempo und ist der Preis dafür, dass am Ende jemand sagen kann, was drin ist.
Claude Code selber ist ein Werkzeug für Leute, die den Code danach lesen können und keines für das Büro. Die Frage dahinter stellt sich trotzdem in jedem Unternehmen, das irgendeinen Agenten an seine Systeme lässt, auch ohne eigene Entwicklung: Wer entscheidet, was das Werkzeug allein tun darf, wer merkt es, wenn es das Falsche tut und wie kommt man zurück. In den meisten Fällen ist diese Frage nie gestellt worden, weil das Werkzeug von einer einzelnen Person eingerichtet wurde und seither einfach läuft. Wenn bei dir gerade jemand einen Agenten mit einem System verbindet, das im Betrieb gebraucht wird, ist eine Stunde vorher billiger als eine Woche danach.
Warum nicht einfach die KI fragen
Frag sie
Wenn dir Claude selber erklärt, wie du Claude Code aufsetzt und was es kann, ist das ein guter Anfang und wir sind die Ersten, die das sagen.
Was die KI nicht weiss
Welche deiner Systeme ein Agent überhaupt anfassen darf, was der schlimmste Fall bei dir in Franken kostet und wer es merkt, wenn er eintritt. Dafür gibt es uns.
Weitere Beiträge zu #claude.
-
claudekidatenschutz
Seit August 2026 trägt jeder Text von Claude ein unsichtbares Wasserzeichen.
Seit dem 2. August 2026 markiert Anthropic erzeugten Text maschinenlesbar, unsichtbar beim Lesen und ohne Angabe zur Person. Der Beitrag zeigt, was das Wasserzeichen aussagt, was nicht und welche drei Stellen im Betrieb ein Blick wert sind.
-
claudekiwerkzeuge
Ein Skill ist die Arbeitsanweisung, die man sonst jedes Mal neu tippt.
Wer im Chat jedes Mal dieselben Anweisungen neu tippt, hat einen Skill, der noch nicht geschrieben ist. Was ein Skill ist, welche drei bei uns täglich laufen und ab wann sich die Stunde zum Schreiben rechnet.
-
kiclaudechatgpt
Für Privatpersonen sind alle drei grossen gut genug und Gemini ist bei vielen schon bezahlt.
Für den privaten Gebrauch nehmen sich Claude, ChatGPT und Gemini wenig. Was sie kosten, warum Gemini oft schon bezahlt ist, wo Schweizer Anbieter stehen und was in keinen Chat gehört.
-
kiclaudechatgpt
Für Personendaten und Geschäftsgeheimnisse kommt heute nur eine Schweizer Lösung infrage, für alles andere entscheidet der Preis.
Nicht das stärkste Modell entscheidet, sondern die Datenklasse. Was für Personendaten und Geschäftsgeheimnisse infrage kommt, was für den Rest reicht und was beides zusammen im Jahr kostet.