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Die meisten Schweizer Unternehmen könnten souveräner arbeiten, als sie denken und es tut mehr weh, als sie hoffen.

Digitale Souveränität ist kein Zustand, den man kauft, sondern ein Grad, den man wählt. Mail, Dateien, Server und KI laufen 2026 ohne Kompromiss in der Schweiz. Weh tut der Wechsel bei den Gewohnheiten und bei der Fachanwendung und an einem Punkt kostet Souveränität mehr, als sie einem KMU bringt.

Digitale Souveränität ist in den letzten Jahren von einem Begriff aus der Politik zu einer Frage geworden, die uns Geschäftsleitungen regelmässig stellen, meistens in der Form, ob man jetzt aus Microsoft raus müsse. Die Antwort ist selten ein Ja und selten ein Nein, weil Souveränität kein Zustand ist, den man kauft, sondern ein Grad, den man wählt. Dieser Beitrag beschreibt, was sich 2026 tatsächlich in der Schweiz betreiben lässt, wo ein Wechsel wirklich weh tut und wo Souveränität zu einem Preis erkauft wird, den kein KMU zahlen sollte.

Souveränität heisst nicht Schweizer Server, sondern zu wissen, wer zugreifen kann und ob man gehen könnte.

Wir verwenden den Begriff auf drei Stufen, weil er sonst zu gross ist, um damit zu arbeiten. Die erste Stufe ist der Ort: in welchem Land die Daten physisch liegen. Die zweite Stufe ist der Zugriff: welches Recht für den Anbieter gilt und wer ihn zwingen kann, Daten herauszugeben. Die dritte Stufe ist der Ausgang: ob das Unternehmen den Anbieter innert nützlicher Frist verlassen kann, mit allen Daten, ohne dass der Betrieb steht.

Über die erste Stufe wird viel geredet und sie sagt weniger aus als die beiden anderen. Die grossen amerikanischen Anbieter betreiben seit einigen Jahren Rechenzentren in der Schweiz und ein Postfach in Zürich bleibt trotzdem ein Postfach eines amerikanischen Unternehmens. Der US CLOUD Act von 2018 erlaubt amerikanischen Behörden, von amerikanischen Anbietern Daten zu verlangen, unabhängig davon, wo diese Daten gespeichert sind. Ob das für ein Schweizer KMU je relevant wird, ist eine andere Frage, aber der Schweizer Standort allein beantwortet sie nicht. Das ist unsere Lesart und keine Rechtsberatung.

Die dritte Stufe ist die, die im Alltag zählt. Ein Unternehmen, das seine Domain selber verwaltet, seine Daten jederzeit in einem offenen Format exportieren kann und weiss, wie lange ein Umzug dauern würde, ist souverän, auch wenn es heute bei einem grossen Anbieter arbeitet. Ein Unternehmen, dessen Fachanwendung nur beim Hersteller läuft und dessen Daten nur als PDF herauskommen, ist es nicht, auch wenn der Hersteller in Bern sitzt.

Vieles läuft 2026 ohne Kompromiss in der Schweiz, mehr als die meisten annehmen.

Für die Grundausstattung eines KMU gibt es 2026 Schweizer Anbieter, die in Funktion und Preis mit den grossen mithalten. Mail, Kalender, Kontakte und Dateiablage liefern mehrere Schweizer Anbieter als Paket, mit Büroprogrammen im Browser, Videokonferenzen und Freigaben nach aussen. Im Alltag fehlt dabei wenig von dem, was die grossen Pakete bieten und was fehlt, ist meistens eine Verknüpfung und keine Funktion. Die Umstellung ist kein technisches Projekt, sondern ein Gewöhnungsprojekt, dazu unten mehr.

Websites und Shops laufen seit Jahren ohne Nachteil auf Schweizer Hosting, das war nie die Frage. Backups gehören ohnehin an einen Ort, den man kennt und ein Schweizer Speicher kostet dafür nicht mehr als ein amerikanischer. Virtuelle Server, auf denen eine eigene Fachanwendung oder ein internes Werkzeug läuft, gibt es bei Schweizer Anbietern in derselben Form wie bei den grossen Clouds, mit denselben Schnittstellen, sodass ein IT Partner damit umgehen kann.

Dazu kommt KI und hier hat sich seit 2025 viel bewegt. Für Personendaten und Geschäftsgeheimnisse gibt es Schweizer Werkzeuge, die auf Schweizer Infrastruktur laufen und Eingaben weder zum Training noch für Auswertungen nutzen. Euria von Infomaniak ist eines, andere Schweizer Anbieter gibt es ebenfalls und welches passt, verdient eine Prüfung im Einzelfall. Wir haben beschrieben, warum genau diese Datenklassen ein Werkzeug brauchen, über das jemand entschieden hat.

Weh tut es bei den Werkzeugen, an die sich alle gewöhnt haben.

Der Widerstand gegen einen Wechsel kommt selten von der Technik und fast immer von den Leuten und das ist berechtigt. Wer seit zehn Jahren in Outlook arbeitet, hat dort Regeln, Vorlagen, Signaturen und die Gewohnheit, ohne nachzudenken zu finden, was er sucht. Ein anderes Programm kann alles dasselbe und fühlt sich trotzdem drei Monate lang falsch an. Bei zwanzig Mitarbeitenden ist das ein grösserer Posten als der technische Teil des Umzugs. Nach unserer Erfahrung braucht der Umzug von Mail, Kalender und Dateien bei dieser Grösse zwei bis vier Tage Arbeit auf der technischen Seite und pro Person einen halben Tag, bis der Alltag wieder läuft.

Der zweite Schmerz sind die Verbindungen. Teams hängt an der Telefonie, die Telefonie am CRM, das CRM an der Buchhaltung und jede Verbindung ist ein Grund, nichts zu ändern. Wer das Mailsystem wechselt, wechselt nicht ein System, sondern löst zehn kleine Verknüpfungen, die irgendwann jemand eingerichtet und niemand dokumentiert hat.

Der dritte Schmerz ist die Fachanwendung, die es nur einmal gibt. Die Branchensoftware für Treuhand, Bau, Praxis oder Handel läuft dort, wo der Hersteller sie betreibt und der Hersteller hat das oft in einer amerikanischen Cloud entschieden, ohne den Kunden zu fragen. Dagegen hilft kein Schweizer Hosting, sondern nur die Frage an den Hersteller, wo die Daten liegen und ob er sie exportieren kann. Diese Frage kostet eine Mail und beantwortet die zweite und die dritte Stufe von oben.

Souveränität, die den Betrieb überfordert, ist ein Risiko und kein Gewinn.

Es gibt einen Punkt, an dem Souveränität mehr kostet, als sie bringt und kein KMU sollte ihn überschreiten. Der Server im eigenen Keller ist das klassische Beispiel. Er steht in der Schweiz, er gehört dem Unternehmen, niemand sonst hat Zugriff und er wird von niemandem gepatcht, weil der IT Partner alle zwei Monate vorbeikommt. Der Server ist souverän und unsicher zugleich und unsicher wiegt schwerer. Ob das Backup dieses Servers je zurückgespielt wurde, ist die nächste Frage und die Antwort ist meistens nein.

Dasselbe gilt für selbst betriebene Alternativen zu Mail und Dateiablage. Es gibt gute offene Software dafür und sie läuft bei Schweizer Anbietern als betreuter Dienst. Wer sie stattdessen selber installiert, um noch unabhängiger zu sein, hat ab diesem Tag ein System, das Updates, Überwachung und jemanden braucht, der nachts erreichbar ist. Ein KMU ohne eigene IT hat diese Person nicht und der Dienstleister, der sie stellt, kostet mehr als der Unterschied zwischen einem Schweizer und einem amerikanischen Anbieter je ausmacht.

Und es gilt für die Fachanwendung, die funktioniert. Eine Buchhaltung, die seit Jahren läuft, allein wegen der Souveränität zu ersetzen, ist ein Projekt im fünfstelligen Bereich, mit Datenmigration, Schulung und Parallelbetrieb. Wenn es keinen zweiten Grund gibt, ist das Geld anderswo besser angelegt, zum Beispiel darin, den Export aus der bestehenden Anwendung einmal zu testen.

Der brauchbare Weg ist eine Liste mit drei Datenklassen und einem Entscheid pro Zeile.

Wir gehen bei dieser Frage immer gleich vor, weil sie sonst in Grundsatzdiskussionen endet. Zuerst eine Liste aller Systeme, in denen Firmendaten liegen, vom Mailsystem bis zum Werkzeug, das der Verkauf für Unterschriften nutzt. Das dauert einen Nachmittag, wenn die Buchhaltung die Abos liefert. Dann für jedes System die Datenklasse: öffentlich, Geschäftsgeheimnis oder Personendaten. Diese drei Klassen sind dieselben, die auch bei KI die Richtlinien bilden und das ist kein Zufall, weil Souveränität und Datenschutz dieselbe Frage von zwei Seiten sind. Das Datenschutzgesetz, das seit dem 1. September 2023 gilt, verlangt für Personendaten ohnehin, dass man sagen kann, wo sie liegen und wer sie bearbeitet.

Dann pro Zeile ein Entscheid: bleibt, zieht um, spielt keine Rolle. Die Website bleibt. Das Marketing Werkzeug mit den öffentlichen Inhalten spielt keine Rolle. Das Mailsystem mit den Kundendossiers zieht um, oder es bleibt, weil der Aufwand heute zu gross ist und dann steht das so auf der Liste, mit Datum, damit es jemand in einem Jahr wieder anschaut. Die Personendaten in der Fachanwendung bekommen die Mail an den Hersteller. Für jede Zeile gilt, dass die dritte Stufe geprüft ist: Export getestet, Domain unter eigener Kontrolle, Umzugsdauer geschätzt.

Das Ergebnis ist selten ein Unternehmen, das vollständig in der Schweiz läuft. Es ist ein Unternehmen, das weiss, wo es steht, was ein Umzug kosten würde und welche Zeilen es bewusst so gelassen hat. Das ist mehr Souveränität, als die meisten heute haben und sie kostet zwei Nachmittage statt ein Projekt. Ob für die verbleibenden Zeilen eigene Server oder eine Cloud stimmt, ist danach eine Rechnung über fünf Jahre und kein Glaubensbekenntnis.

Warum nicht einfach die KI fragen

  1. Frag sie

    Wenn dir die KI in fünf Minuten erklärt, welche Schweizer Anbieter es für Mail, Dateien und Server gibt, ist das ein guter Anfang und wir sind die Ersten, die das sagen.

  2. Was die KI nicht weiss

    Welche Systeme in deinem Unternehmen heute tatsächlich laufen, welche davon Personendaten enthalten, was ein Umzug bei deiner Grösse kostet und wer die Verantwortung trägt, wenn der Entscheid falsch war. Dafür gibt es uns.

Wenn du wissen willst, wo dein Unternehmen heute steht und welche Zeilen auf deiner Liste einen Umzug wert sind, schreib uns. Wir lesen, was du schickst und melden uns.