Ein CTO entscheidet, was gebaut, gekauft und gelassen wird.
CTO steht für Chief Technology Officer und der Titel sagt wenig darüber, was die Person tut. Wir erklären die Rolle anhand ihrer Entscheide, grenzen sie von der IT Leitung und vom Lead Developer ab und zeigen, was in einem KMU passiert, in dem sie niemand hat.
CTO steht für Chief Technology Officer. In einem Konzern ist das ein Mitglied der Geschäftsleitung mit einer Abteilung darunter. In einem Schweizer KMU mit 10 bis 50 Mitarbeitenden gibt es den Titel selten und das ist kein Fehler, weil ein Titel nichts entscheidet. Die Rolle dahinter ist trotzdem da, weil die Fragen da sind: ob die Serverofferte stimmt, ob die App gebaut werden soll, welche Daten in welches KI Werkzeug dürfen, ob der Softwarevertrag verlängert wird. Irgendjemand beantwortet diese Fragen, ob mit oder ohne Titel. Wir beschreiben die Rolle deshalb nicht über den Titel, sondern über das, was sie tut: Sie entscheidet, was gebaut, was gekauft und was gelassen wird und sie steht dafür gerade.
Ein CTO entscheidet über Technik, bevor Geld ausgegeben wird.
Die Aufgaben eines CTO lassen sich auf drei Verben bringen. Bauen: welche Software das Unternehmen selber entwickelt oder entwickeln lässt und welche nicht. Kaufen: welche Werkzeuge, welche Anbieter, welche Verträge, zu welchem Preis und mit welcher Laufzeit. Lassen: was nicht gemacht wird, weil es das Problem nicht löst oder weil es ein Problem löst, das niemand hat. Das dritte Verb ist das wichtige, weil es im Alltag am seltensten vorkommt. Ein Anbieter schlägt nie vor, etwas zu lassen.
Konkret heisst das: Der CTO liest die Offerte des IT Partners, bevor sie unterschrieben wird und sagt, was fehlt und was zu teuer ist. Er legt fest, welche Daten in welches Werkzeug dürfen und sorgt dafür, dass es dafür eine Alternative gibt, die funktioniert. Er entscheidet, ob eine App Idee für CHF 10'000 bis 30'000 gebaut wird oder ob ein bestehendes Produkt für CHF 50 im Monat dasselbe leistet. Er weiss, welche Verträge wann auslaufen, was darin steht und was eine Kündigung kostet. Und er kennt die Risiken, die das Unternehmen gerade eingeht, nicht als Liste in einer Schublade, sondern als Entscheid: dieses Risiko tragen wir, dieses nicht.
Das ist keine Aufgabe, die jeden Tag acht Stunden braucht. In einem KMU fallen solche Entscheide vielleicht zwei- oder dreimal im Monat an. Aber wenn sie anfallen, braucht es jemanden, der Technik, Kosten, Datenschutz und Verträge gleichzeitig im Kopf hat, weil jeder dieser Entscheide alle vier Bereiche berührt.
Verantwortung heisst, dass ein Name unter dem Entscheid steht.
Der Unterschied zwischen einer Empfehlung und einem Entscheid ist der Name darunter. Der IT Partner empfiehlt neue Server, der Softwareanbieter empfiehlt die grössere Lizenz, die KI empfiehlt in fünf Minuten ein Werkzeug. Alle drei tragen die Folgen nicht. Der CTO trägt sie: Wenn die Server zu gross sind, hat er das Geld ausgegeben. Wenn Kundendaten in einem Werkzeug landen, das dafür nicht zugelassen war, hat er die Richtlinien nicht aufgestellt. Wenn der Vertrag sich um drei Jahre verlängert hat, weil niemand die Frist kannte, war das seine Frist.
Genau diese Last macht die Rolle nützlich, weil ein Entscheid mit Namen anders vorbereitet wird als eine Empfehlung ohne. Wer geradesteht, will vorher wissen, was auf den Servern läuft, was der Anbieter an der Offerte verdient und was ein Schweizer Anbieter für dieselbe Leistung verlangt. Wer nur empfiehlt, muss das nicht wissen.
Zur Verantwortung gehört auch, dass ein CTO Entscheide trifft, die nicht nur technisch sind. Wir haben Anfang 2026 von ChatGPT auf Claude gewechselt, aus einem Wertegrund und einem Produktivitätsgrund. Ich habe das für uay entschieden und schreibe dazu, dass ein anderes Unternehmen es anders gewichten darf. Das ist ein typischer CTO Entscheid: Er verbindet Technik, Kosten und Haltung und er hat einen Namen.
Ein IT Leiter hält den Betrieb am Laufen, ein CTO entscheidet, was betrieben wird.
Die IT Leitung, in vielen KMU ein externer IT Partner, sorgt dafür, dass es läuft: Geräte, Netzwerk, Mail, Backups, Zugänge, Tickets. Sie wird daran gemessen, ob die Mitarbeitenden arbeiten können. Das ist eine eigene Disziplin und sie ist nicht dasselbe wie die Rolle des CTO, weil sie eine andere Frage beantwortet. Die IT Leitung beantwortet, wie etwas betrieben wird. Der CTO beantwortet, ob es betrieben werden soll, was es kosten darf und welches Risiko damit verbunden ist.
Der Unterschied zeigt sich bei der Serverofferte. Der IT Partner schlägt neue Server vor, weil die alten tatsächlich alt sind und weil er Server verkauft. Beides ist legitim. Was in der Offerte nicht steht: was auf diesen Servern läuft, ob es das noch braucht und ob dieselbe Leistung bei einem Schweizer Anbieter für die Hälfte zu haben ist. Diese Fragen stellt niemand, der den Betrieb verantwortet, weil sie den Betrieb infrage stellen. Sie stellt jemand, der die Kosten und das Risiko verantwortet. Das ist die Rolle des CTO und sie kann nicht beim IT Partner liegen, weil er die Offerte geschrieben hat.
In einem kleinen Unternehmen kann eine Person beide Rollen tragen. Wichtig ist, dass beide Fragen gestellt werden und dass die zweite nicht von dem beantwortet wird, der am Ergebnis verdient.
Ein Lead Developer entscheidet, wie gebaut wird, nicht ob.
Ein Lead Developer ist die erfahrenste Person im Entwicklungsteam. Er entscheidet, mit welcher Technik gebaut wird, wie der Code aufgebaut ist, was ins nächste Release kommt und ob eine Lösung sauber genug ist, um sie zu behalten. Das sind Entscheide innerhalb eines Projekts.
Der CTO steht eine Stufe davor. Er entscheidet, ob das Projekt überhaupt gebaut wird, ob ein gekauftes Produkt reicht, was das Ganze über drei Jahre inklusive Wartung kostet und welche Verträge und Datenschutzfragen daran hängen. Ein guter Lead Developer will bauen und das ist richtig so, weil man dafür Entwickler hat. Ein CTO muss Nein zum Bauen sagen können, ohne dass das Team ihm das übel nimmt, weil er die Rechnung gesehen hat, die das Team nicht sieht. Der Lead Developer wird an der gelieferten Software gemessen. Der CTO wird daran gemessen, ob der Entscheid dahinter richtig war.
In einem KMU ohne eigene Entwicklung gibt es keinen Lead Developer und die Rolle liegt beim externen Softwareanbieter. Auch dann bleibt die Frage vor dem Projekt offen: ob, was, für wie viel. Sie gehört nicht zum Anbieter, weil er am Bauen verdient.
Ohne die Rolle wird nicht weniger entschieden, sondern verteilt.
In einem Unternehmen, in dem niemand die Rolle hat, bleiben die Entscheide nicht liegen. Sie werden trotzdem getroffen, von der Person, die gerade am nächsten dran ist. Der IT Partner entscheidet über die Server, weil er die Offerte schreibt. Der Verkaufsleiter entscheidet über das CRM, weil er es braucht. Die Buchhaltung entscheidet über die Lizenzen, weil sie die Rechnungen sieht. Und die Mitarbeitenden entscheiden über KI, weil sie einen guten Job machen wollen und ein Werkzeug gefunden haben. Jeder Entscheid ist für sich vernünftig. Niemand schaut alles zusammen an.
Das Ergebnis sieht in den meisten KMU ähnlich aus: drei Werkzeuge für dieselbe Aufgabe, Verträge, die sich automatisch verlängert haben, Kundendaten in Diensten, die niemand geprüft hat und eine Geschäftsleitung, die Offerten unterschreibt, die sie nicht beurteilen kann. Es fehlt kein Fachwissen, weil jeder Bereich sein Fach kennt. Es fehlt die Person, die die Bereiche verbindet und dafür geradesteht. Das merkt man spätestens beim Thema KI, weil KI Datenschutz, Sicherheit, Verträge, Mitarbeitende und Kosten gleichzeitig berührt. Welche vier Entscheide dabei nur die Geschäftsleitung treffen kann, haben wir separat beschrieben. Alle vier sind Entscheide, die ein CTO vorbereitet und mitträgt.
Die Kosten dieser Lücke stehen auf keiner Rechnung und das ist der Grund, warum sie so lange bleibt. Ein Server, der doppelt so gross ist wie nötig, kostet einmal zu viel. Eine Lizenz, die niemand nutzt, kostet jeden Monat. Ein Vertrag mit fünf Jahren Laufzeit, den niemand gelesen hat, kostet dann, wenn man ihn loswerden will.
Die Rolle braucht nicht jeden Tag jemanden, aber sie braucht jemanden.
Ein KMU braucht in der Regel keinen CTO im Haus. Ein Entscheid alle zwei Wochen rechtfertigt keine Stelle. Was es braucht, ist eine Person, die die Rolle hat: die vor jeder grösseren Ausgabe für Technik gefragt wird, die die drei Verben kennt und die den Namen unter den Entscheid setzt. Das kann jemand aus der Geschäftsleitung sein, der sich die Zeit dafür nimmt und im Zweifel jemanden fragt, der die Antwort kennt. Das kann jemand von aussen sein, der die Rolle für mehrere Unternehmen ausfüllt. Wir tun das als externer CTO und wir sagen es hier, ohne es zu empfehlen, weil die richtige Antwort vom Unternehmen abhängt und nicht von uns. Wann ein KMU die Rolle wirklich besetzen muss, gehen wir an anderer Stelle Punkt für Punkt durch.
Wer sein Problem mit einer Stunde Google oder KI löst, soll das tun. Ein CTO ist dann nötig, wenn Geld auf dem Spiel steht, wenn jemand die Verantwortung übernehmen muss, oder wenn man vor einer Unterschrift wissen will, worauf man sich einlässt. Für den Anfang reicht es, wenn im Unternehmen eine Person bei jeder Offerte und jedem neuen Werkzeug die drei Fragen stellt: was gebaut wird, was gekauft wird und was gelassen wird. Wer diese Person benennt, hat die Rolle besetzt, mit oder ohne Titel.
Warum nicht einfach die KI fragen
Frag sie
Wenn dir die KI in fünf Minuten erklärt, was ein CTO tut, ist das ein guter Anfang und wir sind die Ersten, die das sagen.
Was die KI nicht weiss
Welche Entscheide in deinem Unternehmen gerade niemand trifft, was die Offerte auf dem Tisch wirklich wert ist und wer die Verantwortung übernimmt, wenn der Entscheid falsch war. Dafür gibt es uns.
Weitere Beiträge zu #cto.
-
kostensoftwarebeschaffung
Die meisten Lizenzkosten sinken nicht durch Verhandeln, sondern durch Abschalten.
Verhandeln bringt fünf bis zehn Prozent und drei Jahre Bindung. Der grössere Teil liegt in ungenutzten Konten, in zwei Werkzeugen für dieselbe Aufgabe und in Verträgen, die sich stillschweigend verlängern.
-
ctorollenkmu
Die meisten KMU brauchen keinen CTO im Haus, aber fast alle brauchen die Rolle.
Eine interne Stelle, die Rolle von aussen oder vier Handgriffe: welcher Fall zutrifft, hängt an der Zahl der Entscheide, an den Entwicklern im Haus und am Technikbudget. Wir nennen die Grenzen dazwischen.
-
kostenctobeschaffung
Wir nennen einen Pauschalpreis, weil wir den Aufwand einschätzen können müssen und nicht du.
Bei jedem unserer Formate steht ein Preis und nirgends ein Stundensatz, weil das Risiko der Schätzung zu dem gehört, der sie macht. Der Beitrag zeigt, wie wir vor einem Pauschalpreis rechnen und was passiert, wenn die Schätzung daneben liegt.
-
risikosicherheitcto
Ein Risiko, das benannt ist, ist schon halb erledigt.
Die Risiken, die ein Unternehmen tatsächlich treffen, stehen selten auf einer Liste. Wo sie in einem KMU sitzen und wie eine Inventur an einem halben Tag daraus benannte Risiken macht.