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Ersetzt wird selten ein Mensch, ersetzt werden einzelne Aufgaben.

Die Frage kommt in fast jedem Betrieb, meistens im Gang und nicht in der Sitzung. Eine nüchterne Antwort besteht aus zwei Listen: den Aufgaben, die tatsächlich weggegangen sind und denen, die geblieben sind.

Die Frage wird selten in einer Sitzung gestellt. Sie kommt danach, im Gang, wenn das Protokoll geschrieben ist: Werde ich durch KI ersetzt. Wir hören sie seit zwei Jahren regelmässig, von Leuten in der Sachbearbeitung, im Marketing, im Support und in der Entwicklung. Die ehrliche Antwort ist unbequemer als ein Nein und langweiliger als ein Ja. In den Betrieben, die wir kennen und in unserer eigenen Firma ist bisher keine Stelle wegen KI gestrichen worden. Verschwunden sind einzelne Aufgaben und die sind in fast jedem Beruf gleichzeitig verschwunden. Wer wissen will, was das für ihn bedeutet, muss deshalb nicht über Berufe reden, sondern über seinen Kalender.

Ein Beruf ist ein Bündel von Aufgaben und ein Werkzeug nimmt sich immer nur einzelne davon.

Wer einen normalen Arbeitstag ehrlich aufschreibt, kommt nicht auf eine Tätigkeit, sondern auf zwölf bis zwanzig. Mails lesen und beantworten, Zahlen aus einem System in ein anderes tragen, eine Offerte formulieren, ein Protokoll schreiben, jemandem etwas erklären, einen Fehler suchen, entscheiden, ob etwas so bleiben kann und danach jemandem sagen, warum es so entschieden wurde. Ein Werkzeug greift nie den Beruf an, es greift einzelne dieser Zeilen an.

Das war bei der Tabellenkalkulation so. Sie hat der Buchhaltung das Rechnen von Hand abgenommen und Buchhalterinnen gibt es trotzdem noch, weil ihre Arbeit nie nur aus Rechnen bestand. Der Unterschied zu diesen früheren Werkzeugen ist nicht die Wucht, sondern die Breite. KI trifft nicht ein Berufsfeld, sondern in fast jedem Beruf dieselben drei bis fünf Zeilen der Liste. Deshalb fühlt es sich für viele gleichzeitig an und deshalb taugt die Frage nach dem Beruf wenig. Brauchbar ist nur die Frage, welcher Anteil eines Arbeitstags aus genau diesen Zeilen besteht.

Weggegangen ist die Arbeit, die aus einer leeren Seite einen ersten Entwurf macht.

Bei uns ist der Gewinn bei vier Dingen deutlich messbar: beim ersten Entwurf eines Texts oder einer Funktion, beim Zusammenfassen langer Dokumente, beim Umformulieren und Übersetzen und beim Einlesen in Material, das man nicht kennt. Für einen Entwurf, der früher einen Arbeitstag gekostet hat, rechnen wir heute mit ungefähr einer Stunde plus der Zeit zum Prüfen. Dafür bezahlen wir rund USD 100 pro Monat und Person. Was in der Softwareentwicklung dadurch schneller wurde und was nicht, haben wir in Softwareentwicklung seit KI mit unseren eigenen Zeiten aufgeschrieben.

Ausserhalb der Entwicklung sieht es gleich aus. Das Protokoll aus einer Aufnahme, der zweite Anlauf für eine Mail an einen verärgerten Kunden, die Produktbeschreibung in drei Sprachen, die Zusammenfassung eines Vertrags von vierzig Seiten auf eine: Das sind Stunden, die vorher jemand aufgewendet hat und die heute in Minuten vorliegen. Diesen Aufgaben ist dreierlei gemeinsam. Das Ergebnis ist ein Text oder ein Entwurf, es gibt eine klare Vorstellung davon, wie es aussehen soll und jemand liest es danach ohnehin gegen. Wo diese drei Bedingungen zusammenkommen, hat sich die Arbeit tatsächlich verschoben und niemandem ist damit gedient, das kleinzureden.

Geblieben ist alles, wofür jemand mit Namen geradestehen muss.

Die andere Hälfte eines Arbeitstags hat sich kaum bewegt. Herauszufinden, was überhaupt gelöst sein muss, dauert gleich lang wie vorher, weil dafür Leute reden müssen, die den Betrieb kennen. Ein Entscheid, der in der Geschäftsleitung fällt, braucht weiterhin die Sitzung, in der er fällt. Die Abnahme durch die Fachabteilung, der Zugang beim Hoster, die Rückmeldung des Treuhänders: Diese Wartezeiten sind seit KI nicht kürzer geworden.

Dazu kommt der ganze Teil, der aus Verantwortung besteht statt aus Text. Was ein Anbieter an einer Offerte verdient, ob ein Risiko tragbar ist und wer den Kopf hinhält, wenn der Entscheid falsch war, steht in keinem Modell. Wir haben das in Wann die KI reicht und wann ein Experte an drei Fragen festgemacht und die Grenze verläuft heute noch genau dort. Auch Entscheide werden nicht schneller getroffen, nur weil der Vorschlag schneller da ist: Jemand muss sie einholen und das ist die eigentliche Arbeit im Projekt. Wer zuschaut, wie heute wirklich gearbeitet wird, bevor etwas gebaut wird, macht ebenfalls nichts, was ein Chatfenster abnehmen könnte, wie bei der Arbeit eines UX Designers.

Im KMU verschwindet dadurch keine Stelle, es verschiebt sich der Inhalt eines Arbeitstags.

Die Rechnung ist unspektakulär. Wenn zwanzig Prozent eines Arbeitstags aus Aufgaben bestehen, die jetzt in einem Viertel der Zeit fertig sind, werden daraus rund neunzig Minuten pro Tag. Neunzig Minuten sind keine freie Stelle, sie sind Zeit, die woanders hingeht: in die Aufgaben, die liegen geblieben sind, in die Prüfung dessen, was jetzt schneller entsteht, oder in mehr Menge bei gleicher Besetzung. In den meisten KMU passiert das dritte, ohne dass es je entschieden wurde.

Zu einer Frage der Stelle wird es erst, wenn eine Position fast ausschliesslich aus diesen Aufgaben besteht. Solche Stellen gibt es, sie sind selten und im Betrieb weiss man, welche gemeint sind. Wo das zutrifft, gehört es früh gesagt und nicht ausgesessen, weil die betroffene Person am meisten davon hat, es zu wissen, solange noch Zeit bleibt, den Inhalt der Stelle zu verändern. Das ist eine Aufgabe der Geschäftsleitung und keine der IT.

Beim Einstellen ändert sich die Frage, nicht die Anzahl.

Wir raten keinem Betrieb, eine offene Stelle wegen KI nicht zu besetzen. Ein Geschäftsplan für ein KI Werkzeug kostet zwischen CHF 20 und CHF 35 pro Person und Monat. Eine Stelle kostet ein Vielfaches davon und die beiden stehen aus einem guten Grund nicht in derselben Zeile im Budget: Das Werkzeug produziert Entwürfe, die Stelle trägt Verantwortung. Wer eine Stelle streicht und die Aufgaben auf die Verbleibenden verteilt, hat nicht automatisiert, sondern verdichtet. Das hält eine Weile und fällt dann auf, meistens bei der zweiten Kündigung.

Verändert hat sich, wonach wir im Gespräch suchen. Früher zählte unter anderem, wie schnell jemand etwas produziert. Heute zählt, ob jemand ein fertiges Ergebnis lesen, beurteilen und zurückweisen kann und ob er sagt, wenn er etwas nicht versteht. Diese Fähigkeit ist im Lebenslauf schlecht sichtbar und in einer Arbeitsprobe sofort. Wir lassen deshalb lieber ein bestehendes Ergebnis beurteilen, als ein neues erstellen.

Was du selber tun kannst, ohne dass es dramatisch wird.

Für die einzelne Person ist die brauchbare Reaktion weder Aufregung noch Abwarten, sondern eine Inventur des eigenen Kalenders. Vier Schritte reichen:

  • Zwei Wochen lang aufschreiben, womit die Zeit tatsächlich draufgeht, in Halbstundenblöcken und ohne Beschönigung.
  • Die zwei Aufgaben markieren, die am meisten Zeit kosten und aus Text oder Entwurf bestehen.
  • Diese zwei mit einem bewilligten Werkzeug versuchen, mit Wissen der Vorgesetzten und ohne Kundendaten in einem Gratisdienst.
  • Bei den Aufgaben, die bleiben, gezielt besser werden: entscheiden, prüfen, erklären, mit Leuten reden.

Wer diese Inventur gemacht hat, kann die Frage aus dem Titel für sich selber beantworten und zwar mit Zahlen statt mit einem Gefühl. Für den Betrieb gilt dasselbe eine Ebene höher. Die Firmen, die uns diese Frage stellen, wollen selten wissen, wie viele Stellen sie sparen. Sie wollen wissen, ob sie etwas verpassen. Die Antwort darauf ist unaufgeregt: Ersetzt wird selten ein Mensch, ersetzt werden einzelne Aufgaben und wer aufschreibt, welche das bei ihm sind, entscheidet mit, statt es später zu erfahren.

Warum nicht einfach die KI fragen

  1. Frag sie

    Wenn dir die KI aufzählt, welche Aufgaben in deinem Beruf ein Werkzeug übernehmen kann, ist das eine brauchbare Liste und wir sind die Ersten, die das sagen.

  2. Was die KI nicht weiss

    Welche dieser Aufgaben in deinem Betrieb wirklich Zeit kosten, welche Stelle davon berührt ist und was du im nächsten Budget dafür einplanen musst. Dafür gibt es uns.

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Wenn bei dir offen ist, welche Aufgaben ein Werkzeug übernehmen soll und welche Stelle du trotzdem besetzen musst: Schreib uns, wie es bei dir aussieht. Wir lesen, was du schickst und melden uns.